Schattenseher – und Fragen über Fragen

Schattenseher – was soll das eigentlich bedeuten? Was hat dieser Blog eigentlich im merkwürdigen Mikrokosmos des Internets zu suchen? Braucht man ihn überhaupt? Und wenn ja, wofür? Woher speist sich der Anspruch dieses Blogs auf seine vermeintliche Daseinsberechtigung? Wer soll hiermit eigentlich angesprochen werden? Was können die Leser von dieser Seite erwarten? Und nicht zuletzt: Was hat das eigentlich alles mit der vermeintlichen Diskrepanz von Licht und Dunkelheit zu tun? Ein paar Antworten, die den Schatten möglicherweise ein wenig aufhellen.

Von Sebastian Binder 

Das Internet. Unendliche Weiten. Ein seltsamer Kosmos aus informativem, abstoßendem, lustigem, traurigem, unterhaltsamem und verstörendem Material. Eine Welt, die absurd und faszinierend, verwirrend und erklärend zugleich anmutet. Ein Ort, der Menschen zusammenführt und spaltet, der Individuen individueller und Ansammlungen gleicher erscheinen lässt, in dem Werte verbreitet und Hass gesät wird. Ein babylonisches Sprachgewirr artikuliert sich in den Hochgeschwindigkeitsleitungen des Cyberspace, jeder darf alles sagen, mancher allerdings nur ein einziges Mal.

Für viele ist es ein Ort der Freiheit, ein virtueller Raum ohne Unterdrückung und Zensur, in dem man dem Gefängnis der Realität zumindest für einen Augenblick entkommen kann. Für andere ist es das Gegenteil: Das Internet, eine Welt, in der beobachtet, verfolgt, gemobbt wird, wo die Würde des Menschen nichts wert ist, in der vermeintliche Andersartigkeit einer gnadenlosen Hetze unterzogen wird. Was ist nun die Wahrheit? Ganz einfach: Es gibt sie nicht. Das Internet ist eine gigantische Ansammlung von Hell und Dunkel, von Licht und Schatten. Es gibt Menschen, die das Licht bevorzugen, die sich ausschließlich auf dem hellen Antlitz des Netzes bewegen, und es gibt Menschen, die die Dunkelheit zu schätzen wissen, die die abgründige Seite des Internets als ihren bevorzugten Kosmos definieren würden.

Und dann gibt es noch Menschen, die sich zwischen diesen Welten bewegen, die das Licht kennen, doch denen ebenso bewusst ist, dass Licht auch immer einen Schatten wirft. Wenn man diesen Schatten nun genauer betrachtet, wenn man ihn tatsächlich sieht, dann wird man irgendwann seine Gestalt erkennen und vielleicht, nur vielleicht auch für andere beschreiben können.

Und genau an dieser Stelle setzt dieser Blog an. Der geneigte Leser könnte in diesem Moment fragen: Wozu noch einen Blog? Gibt es nicht bereits eine Million Seiten, auf denen alles geschrieben, alles gesagt, alles gedacht wird, was es auf dieser Welt zu schreiben, zu sagen, zu denken gibt? In gewisser Weise ist diese Frage berechtigt, und wer sie für sich mit „Ja“ beantwortet, muss jetzt eigentlich nicht mehr weiterlesen. Denn wie soll ein kleiner Blog, an dem nur ein paar Freunde schreiben, mit der geballten Medienmacht der etablierten Verlagshäuser mithalten können? Auch diese Frage ist ganz einfach zu beantworten: Das kann er nicht. Was er aber kann: Er kann große Ereignisse aus einer anderen Perspektive betrachten, natürlich nur, wenn dies möglich ist, er kann kleinen Vorgängen ein Gesicht verleihen, er kann Leuten, die in den großen Medien kein Gehör finden, eine Stimme geben. Soviel zur Theorie, und eigentlich klingt sie ganz schön. Was die Praxis aus dieser Theorie macht, ist derzeit noch nicht abzusehen.

Dieser Blog wird sich hauptsächlich um die Themen Politik, Kultur mit einem gesonderten Musikressort, Sport und einen Allerweltsbereich drehen. Es wird um Wichtiges und Unwichtiges, um Bedeutendes und Unbedeutendes, um Banales und Sinnvolles gehen, um das allseits bekannte Alles, das sich im Schatten des Nichts entfaltet. Es wird anfangs nicht immer perfekt sein, auch wir müssen erst unseren Stil finden. Frei nach einem kürzlich entfernten Politiker: Auch wir sind Menschen und machen selbstverständlich Fehler. Wir begeben uns auf die Reise in eine relative Ungewissheit, niemand weiß, was, außer dem Schreiben interessanter Geschichten, das Ziel ist, welche Steine uns in den Weg gelegt werden, welche Hürden es zu meistern, welche Rückschläge es zu verkraften gilt.

Das Einzige, was wir derzeit erreichen wollen und möglicherweise auch können, ist, dass unsere Leser informiert, unterhalten und hin und wieder vielleicht sogar ein klein wenig inspiriert werden. Wenn nur diese drei Paradigmen erfüllt sind, dann haben wir schon viel erreicht.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen, werte Leserin, werter Leser, eine gute Zeit auf diesem Blog. Die Reise beginnt. Wir werden sehen, wohin uns die Schatten tragen werden…

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