Ist Schwarz-Rot-Gold gefährlich?

Bereits seit der WM 2006 gibt es die Diskussion, ob das Zeigen von Nationalstolz im Zuge von großen Sportereignissen problematisch ist. Vor allem dann, wenn man sich die dunkle Vergangenheit Deutschlands vor Augen hält. Mittlerweile scheinen diese Debatten überholt zu sein, aber immer wieder werden sie aus verschiedenen Lagern neu entfacht, wie unlängst von der Jugendorganisation der Grünen.

Christian Schmitz-Linnartz glaubt: Dies geht Am Wesentlichen vorbei 

Die „Grüne Jugend“ fühlt sich dazu bemüßigt, dem fähnchenschwenkenden Land den Zeigefinger zuzeigen und zu sagen, dass der damit einhergehende Nationalstolz gefährlich sei. „On3“ postet dies auf Facebook und der Rattenschwanz wächst und wächst. Ach, Leute, Ihr seid doch irgendwie süß, nur geht das wie so oft am Wesentlichen vorbei.
Denn zum ersten sind die, die das Fähnchen schwenken, wo das Gelb respektive Gold dabei ist, bestimmt nicht gefährlich. Die Gefährlichen sind die, wo statt Gelb Weiß von der Fahne prangt und die oftmals Sachen mit Fraktura-Schrift am Leibe tragen. Auch bezweifle ich, dass es da eine ernsthafte Schnittmenge gibt oder je geben könnte, aber dazu später.
Zum anderen wünschte ich mir eine inhaltliche Auseinandersetzung mit diesem Schwarz-Rot-Gold-Spaß. Bei Lichte betrachtet haben wir in diesem Land grundsätzlich mal nur die Sprache gemeinsam, eine gemeinsame Geschichte hatten wir bis 1933, bis 1945 leider eine gemeinsame Ungeschichte, und das, was seit 1989 wieder existiert, kann man – Hand auf’s Herz – nicht in allen Bereichen gemeinsame Kultur nennen. Und auch die Sprache teilen wir uns mit Österreich und einem Teil der Schweiz. Konkreter: Ich persönlich habe mit manchem Schwarzafrikaner zumindest die Konfession bzw. die Erziehung, der die Konfession zugrunde liegt, gemeinsam, nämlich den Katholizismus. Mit manchem Iren teile ich mir die Gesänge, die ich gern singe; und so mancher New Yorker mag dieselbe Musik wie ich.
Und der größte Vollidiot der Nationalmannschaft stammt aus meinem Nachbardorf.
Aber – man mag es nicht glauben – auch ich freue mich, wenn die deutsche Nationalmannschaft ein Tor schießt und gewinnt. Das hat ganz banale Gründe. Meine Mitmenschen sind dann gut gelaunt und es geht doch nichts über ein gut gelauntes Umfeld.
Diese Menschen sind, ganz nebenbei, in vielen unterschiedlichen sozialen Schichten oder intellektuellen Kreisen beheimatet: Arbeiter, Kulturschaffende wie Schauspieler oder Maler, Juristen oder Leute aus der politischen Bildung sind bestimmt nicht gefährdet, irgendwelchem Nationaldünkel anheim zu fallen.
Ach, eins noch, wir haben in Deutschland doch alle etwas gemeinsam: nämlich die politischen Extreme und das „Talent“, uns daran aufzureiben und unglaublich viel Energie auf politische Theorie zu verschwenden. Marx war deutsch, Hitler auch, Gandhi leider nicht.
Dafür will ich keine Fahne schwenken, dann doch lieber für die elf Männer auf dem Platz und ihre Entourage, denn obwohl die teilweise dumm sind wie Brot und/oder Gina-Lisa flachlegen, sind sie auf jeden Fall eins: ehrlich bis authentisch.
Und sogar gern schwenke ich meine Fahne für Philipp Lahm, denn der hat in puncto Ukraine mehr Courage gezeigt als die „Grüne Jugend“ mit diesem Diskussionsanstoß.
Und wenn der „Grünen Jugend“ so viel daran liegt, dass wir eine gepflegte Bildungs- und Kulturlandschaft unser Eigen nennen, dann wüsste ich Einiges, was gefährlicher ist und zur Volksverdummung beiträgt. Gut, dass man sich an die Springer-Presse nicht herantraut, ist nachvollziehbar, aber man könnte mal anfangen, sämtliche „Dieter-Bohlens“ aus den Medien zu werfen.

Foto: Fußballfans auf der Münchner Leopoldstraße

Copyright: Sebastian Binder

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