Das seltsame Rechtsverständnis des Uli Hoeneß

Der Präsident des FC Bayern München ist dafür bekannt, dass er sich kompromisslos für seine Spieler einsetzt. Im Fall Breno, der wegen schwerer Brandstiftung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, geht Hoeneß allerdings zu weit. In verschiedenen Medien gab der 60-Jährige äußerst unqualifizierte Statements zum Besten, die fast danach klingen, als wolle er, dass die deutsche Justiz mit zweierlei Maß misst. Zumindest dann, wenn es um seine Spieler geht. Ein gefährlicher Irrweg, den Hoeneß mit seinen seltsamen Vergleichen beschreitet.

Von Sebastian Binder  

Uli Hoeneß ist ein sozialer Mensch. Das wird dem Präsidenten des FC Bayern München sicherlich niemand absprechen wollen. Er spendet seine verdienten Werbemillionen stets für karitative Zwecke, sein Verein hilft anderen Klubs, die kurz vor der Insolvenz stehen, mit Benefizspielen und natürlich kümmern sich die Bayern auch um ihre Spieler, wenn diese in eine schwierige Lebenslage geraten sind. Ein gutes Beispiel hierfür ist der frühere Bayernspielmacher Sebastian Deisler, der an Depressionen erkrankte, und in der Folge nicht zuletzt von Hoeneß persönlich große Unterstützung erfuhr. Hoeneß ist stets bemüht, eine Art Vaterfigur für seine Spieler abzugeben, sich stets schützend vor sie zu stellen und sich für sie einzusetzen, ganz egal, wie unappetitlich die Vorwürfe gegen sie auch sein mögen. Franck Ribéry kann ein Lied davon singen. Er soll im Jahr 2009 mit der damals noch minderjährigen Prostituierten Zahia Dehar Geschlechtsverkehr gehabt haben. Eine äußerst unschöne Geschichte für einen Weltverein wie den FC Bayern und natürlich gefundenes Fressen für die Boulevardmedien, die die Story nach allen Regeln der (Vorführ-) Kunst ausschlachteten. Bei vielen anderen Vereinen wäre Ribéry wie die nur allzu bekannte heiße Kartoffel fallengelassen worden, doch beim FC Bayern hielt Hoeneß seine schützende Hand über den Franzosen. Nachdem Ribéry vor Gericht glaubhaft versichern konnte, dass ihm das Alter Dehars nicht bekannt war und er somit freigesprochen wurde, zahlte er die Rückendeckung der Bayern und insbesondere Hoeneß‘ in der Folgezeit mit brillanten Leistungen auf dem Platz zurück.

Hoeneß‘ Einsatz für seine Spieler ist aller Ehren wert, doch im Fall Breno ist er über das Ziel hinausgeschossen. Der brasilianische Verteidiger der Bayern soll im vergangenen Jahr seine Villa in Grünwald angezündet haben. Wegen schwerer Brandstiftung wurde er dafür zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Für Hoeneß ein Skandal. „Ich habe mir nie und nimmer vorstellen können, dass der Junge dafür ins Gefängnis geht – und vor allen Dingen so lange! Wenn das Urteil nicht revidiert wird, dann ist sein Leben kaputt. Für mich war das Urteil ein Schock“, wetterte Hoeneß in der Bild-Zeitung. Kann man diese Aussage des als emotional geltenden Hoeneß vielleicht sogar noch halbwegs nachvollziehen, so sind seine weiteren Einschätzungen absolut inakzeptabel: „Ich weiß nicht, ob man hier nicht differenzieren muss zwischen einem Maurer, der seinen Beruf weiter ausüben kann, wenn er wieder rauskommt, und einem jungen Fußballspieler – der absolut nichts anderes kann als Fußball spielen. Wenn man dem damit seinen Beruf für alle Zeiten wegnimmt, ist das für mich absolut nicht nachvollziehbar.“ Was soll das heißen? Dass ein hochbezahlter Fußballprofi vor dem Gesetz mehr wert ist als ein vermeintlich x-beliebiger Maurer? Dass die deutsche Justiz hier doch bitte mit zweierlei Maß messen solle, denn schließlich kann Breno nach seiner verbüßten Haftstrafe wahrscheinlich nicht mehr Fußball spielen (warum eigentlich nicht?), während der vorbestrafte Maurer natürlich sofort, überall und ohne Probleme wieder einen Job findet? Eine äußerst merkwürdige Logik, die sich Hoeneß hier zu eigen macht.

Fakt ist, dass es eigentlich keinen Zweifel gibt, dass Breno in der Nacht auf den 20. September 2011 seine Villa in Brand gesetzt hat. Es gibt keine anderen Verdächtigen, auch technische Ursachen konnten ausgeschlossen werden. Des Weiteren hat Breno mit seiner Entschuldigung während des Prozesses die Tat mehr oder weniger eingeräumt. Warum Hoeneß trotzdem immer noch daran zweifelt, „ob dieses Vergehen so stattgefunden hat“, erschließt sich auch auf den zweiten und dritten Blick nicht. Wahrscheinlich durchlebte der Brasilianer aufgrund ständig neuer Verletzungen zu diesem Zeitpunkt keine einfache Phase, obwohl dieses Statement bei hochbezahlten Fußballspielern immer einen faden Beigeschmack hat. Als Entschuldigung dafür, sein Haus in Schutt und Asche zu legen, kann und darf dieser Umstand allerdings nicht herhalten. Zumal der stark alkoholisierte Breno scheinbar auch nicht genau wusste, ob sich bei Ausbruch des Feuers noch Menschen im Gebäude aufhielten, was glücklicherweise nicht der Fall war. Das Strafmaß ist hart, aber nicht überhart, denn die Höchststrafe bei schwerer Brandstiftung liegt bei 15 Jahren.

Hoeneß wäre also gut beraten, sich beim Verunglimpfen der deutschen Justiz etwas mehr zurückzuhalten. Vor allem sollte er aber schleunigst davon ablassen, unqualifizierte Vergleiche zu ziehen. In Deutschland gilt der Grundsatz, dass vor Gericht alle Menschen gleich sind, ob Fußballstar, ob Maurerlehrling. Auch ein Uli Hoeneß sollte diesen Grundsatz berücksichtigen, wenn er seinen Status als sozial engagierter Mensch nicht verspielen will. Denn die Hoffnung, dass vor Justitia niemand gleicher als der andere ist, verschafft dem deutschen Rechtssystem erst seine Legitimation. Oder wie sehen Sie das, Herr Hoeneß?

Foto: Uli Hoeneß

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