Mal dumm gefragt, Frau Merkel

Wer von uns wollte den Menschen Angela Merkel nicht schon einmal besser kennenlernen? Die Bundeskanzlerin wirkt ja immer ein bisschen unterkühlt und distanziert, nicht wahr? Also hat sich das Magazin einer großen süddeutschen Zeitung gedacht, dass einfach mal ein paar Prominente dem Menschen Merkel Fragen stellen, die diese dann ganz spontan beantwortet. Blöd nur, dass das nicht sonderlich unterhaltsam geworden ist. Aus diesem Grund hat Schattenseher.de dieselbe Aktion nochmal gestartet. Zumindest fast.

Von Sebastian Binder  

Da ist das SZ-Magazin ja auf eine pfiffige Idee gekommen. Weil Bundeskanzlerin Angela Merkel angeblich niemand so richtig kennt, haben die kreativen Redakteure 37 Mehr-oder-weniger-prominente Deutsche gebeten, der Regierungschefin jeweils eine Frage zu stellen, um den Menschen Angela einmal besser kennenzulernen. Schließlich ist sie unsere Kanzlerin und selbstverständlich haben wir als Bürger ein Recht darauf zu wissen, von wem unsere Steuermilliarden da eigentlich verpulvert werden. Merkel, spontan und locker, wie man sie nun mal kennt, stieg auf dieses Angebot der SZ-Schreiberlinge natürlich sofort ein, denn schließlich ist in einem Jahr Bundestagswahl, da kann ein bisschen Menschlichkeit sicher nicht schaden.

Die SZ versammelte in der Folge die Creme de la Creme der deutschen Prominenz, darunter Choriphäen wie Daniela Katzenberger, Susanne Klatten und Eckhart von Hirschhausen. Herausgekommen sind äußerst intelligente Fragen und nur minimal autorisierte Antworten, die die für manche vielleicht distanziert wirkende Kanzlerin in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen. „Wie ist der Geruch ihrer Kindheit?“ fragt beispielsweise Schauspielerin Iris Berben. „Kiefern und Heu und im Herbst der Duft von Kartoffeln im Kartoffeldämpfer“, antwortet Merkel. Eine Aussage, die tief blicken lässt. Der Bundes-Boris (ja, der Becker) möchte wissen, für wen die Kanzlerin, außer für Josef Ackermann, denn gerne mal eine Dinnerparty schmeißen möchte. Die verblüffende Antwort: „Dinnerpartys veranstalte ich nicht (nachträglich autorisiert, Anm. d. Red.). Aber zu einem Abendessen würde ich gern einmal Vicente del Bosque einladen.“ Was, die Nemesis des deutschen Fußballs soll ausgerechnet bei unserer Kanzlerin erscheinen? Ein Skandal! „Überraschend, frotzelig, lustig, rührend“, so beschreibt das SZ-Magazin die Antworten Merkels. Zugegeben, auf der Magazin-Website sind nur einige Auszüge dieses bahnbrechenden Interviews zu lesen, doch überraschend, frotzelig, lustig und rührend ist keiner davon.

Darum hat sich Schattenseher.de gedacht, dass es höchste Zeit ist, mal ein paar andere äußerst prominente Deutsche Fragen an die Kanzlerin formulieren und Merkel darauf antworten zu lassen. Und bevor nun eine Klagewelle über diese Website hereinbricht: Nein, die Fragen sind nicht wirklich von den genannten Prominenten und nein, die Antworten hat auch nicht wirklich Angela Merkel gegeben. Man nennt diese Art des Schreibens Satire, eine Stilrichtung, von der wir lockeren und spontanen Deutschen doch eine Menge verstehen, oder?

Hier also das (gefälschte, man kann es nicht oft genug wiederholen) Frage-und-Antwort-Spiel mit unserer Kanzlerin:

Joachim Löw (Bundestrainer, Merkel-Fan): Angela, wie konntest Du nur? Jeden, wirklich jeden hättest Du einladen dürfen, aber nicht den Vicente! Ist das etwa ein Fingerzeig für meine Zukunft als Bundestrainer?

Angela Merkel (Fußballversteherin): Beim Fußball ist es wie in der Politik, lieber Jogi. Wenn der Erfolg ausbleibt, dann muss man nach Alternativen suchen. Da kannst Du ruhig mal beim Umwelt-NRW-Norbert nachfragen, wie ich solche Dinge handhabe. Ich bin verantwortlich für 82 Millionen Deutsche, das heißt, auch für unsere Nationalmannschaft. Das, was sich kürzlich in Polen und der Ukraine abgespielt hat, hat mir so gar nicht gefallen. Und da bin ich sicher nicht die Einzige. Es ist daher nur logisch, dass ich ein wenig den Markt sondiere. Es ist zudem von essentieller Wichtigkeit, dass über unsere Nationalmannschaft ein Rettungsschirm gespannt wird, damit sich die titellose Schieflage nicht noch weiter verschlimmert. Vielleicht nenne ich ihn den „Vicente-Pakt“.

Heidi Klum (Supermodel, Politiklaiin): Wie kann es sein, dass Sie öfter auf irgendwelchen Magazincovern abgebildet sind als ich?

Merkel (heimliche Castingshow-Liebhaberin): Das liegt natürlich zunächst an meinem guten Aussehen. Haha, ein Witz, sie erkennen meine lustige Art, oder? Ernsthaft, meine Popularität, die trotz einiger kleinerer innenpolitischer und außenpolitischer Problemchen weiterhin zu ungeahnten Umfragegipfelhöhen stürmt, verhilft mir auch bei chauvinistisch-veranlagten Chefredakteuren zu Ansehen und Einfluss. Ich habe es durch meine preußischen Tugenden eben zu etwas gebracht im Leben und bin nicht nur bekannt, weil ich beim letzten Krisengipfel formvollendet zehn Meter auf und ab gelaufen bin. Ich habe es kürzlich sogar aufs Cover des SZMagazins geschafft. Sollten Sie übrigens unbedingt kaufen, die Ausgabe.

Horst Seehofer (CSU-Chef, der Eigentlich-sollte-ich-Kanzler-sein-Mensch): Wenn das Betreuungsgeld nicht so eingeführt wird, wie ich das will, dann wird sich Bayern endgültig von Deutschland lossagen. Dann könnt ihr mal sehen, wo ihr bleibt!

Merkel (Die Nicht-der-schon-wieder-Denkerin): Zunächst einmal, lieber Horst, ist das keine Frage. Aber falls Du wissen wolltest, ob wir das Betreuungsgeld einführen, dann kann ich nur sagen: Jaja, machen wir schon, ganz ruhig bleiben. Ich als ehemalige DDR-Bürgerin weiß natürlich außerdem, wie schön und wichtig und großartig der beliebte Weißwurscht-Freistaat ist und würde alles tun, um euch im Bund zu halten (vor allem wegen eurer Wirtschaftskraft, hüstel, nachträglich streichen, Anm. d. Bundespressestelle). Also, Horst, reg‘ Dich nicht zu sehr auf, trink‘ ein schönes Weißbier und wir unterhalten uns, wenn sich Dein bayerisches Temperament, welches ich im Übrigen sehr schätze, wieder auf Normaltemperatur herunter gekühlt hat.

Joachim Sauer (Physischer Chemiker, Merkelkenner): Jetzt sind wir seit fast 14 Jahren verheiratet. Warum hast Du immer noch nicht meinen Nachnamen angenommen und stattdessen weiterhin den Namen von Deinem Ex?

Merkel (Berufstätige Ehefrau): Äh, ja, nicht dass Dein Nachname nicht schön wäre. Ich meine, hallo, Sauer, das hat so etwas von, äh, ja, genau. Aber als Person, die in der Öffentlichkeit steht, ist mein Name so eine Art Markenzeichen. Außerdem können sich meine männlichen Kumpels aus dem Ausland, also der Mario, der Francois und der Barack, so schlecht neue Namen merken. Die wären bestimmt ziemlich sauer, wenn ich plötzlich hier mit anderem Namen auftauchen würde. Glaub mir, das sind Leute, die Du besser nicht sauer sehen willst. Ich meine, ach verdammt. Joachim, Schatz, jetzt lauf‘ doch nicht gleich weg…

Franz Schmidt (Durchschnittsdeutscher, Nicht-ganz-so-prominenter-Fragensteller): Also, ich blick‘s irgendwie nicht. Was wollen Sie uns mit diesem Interview jetzt genau sagen?

Merkel (Manchmal Frau des Volkes): Lieber, wie war ihr Name noch gleich, egal, es geht mir mit dieser Sternstunde des investigativen Journalismus darum, den Menschen, also auch unbedeutenden Menschen wie Ihnen, zu zeigen, wie menschlich der Mensch Angela Merkel-Sauer (endlich zufrieden?) ist. Vor allem wenn sie wahlberechtigt sind. Ich will den Leuten zeigen, dass hinter der brillanten, eifrigen, hochintelligenten, durchsetzungsstarken, phänomenal beliebten, erfolgreichen Politikerin, immer noch das nette, bescheidene Mädchen Angela steckt, das sich um die Belange aller Deutscher, ja, wirklich aller, aller Deutscher sorgt. Meine Freunde in der CDU nennen mich schließlich nicht umsonst „Mutti“, sondern deshalb, weil ich mich so gerne kümmere. Auch um weniger wichtige Leute wie Sie, Herr Dings. (kurze Pause, die Kanzlerin verschnauft) So, sind wir jetzt endlich fertig, sie komischer Schattengucker oder wie ihr Internetmist auch heißen mag? Ich habe schließlich noch andere Dinge zu tun. Gleich muss ich noch ein paar Krisenländer retten und der Joachim will einen schönen Kohleintopf zum Abendessen.

Schattenseher.de (im-besten-SZ-Magazin-Jargon): Frau Bundeskanzlerin, das waren wirklich sehr überraschende, frotzelige, lustige und rührende Antworten, die sie da gegeben haben. Schattenseher.de und das ganze Land dankt Ihnen für Ihre Zeit.

Foto: Die um keine Antwort verlegene Kanzlerin Angela Merkel

Copyright: Ralf Roletschek zur Verfügung gestellt auf Wikimedia (CC-Lizenz)

 

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