Mit Dir allein, Du Land der Bayern

Wilfried Scharnagel spricht mit seinem Buch endlich aus, was so viele Freistaatler schon lange insgeheim denken: “Bayern kann es auch allein.” Es ist längst überfällig, dass über diese ebenso sinnvolle wie durchdachte Forderung einmal ausgiebig reflektiert wird. Der Rest von Deutschland muss endlich einsehen, dass die Bayern die Krönung der Schöpfung sind und sie ihre Unabhängigkeit somit verdient haben. Wichtig ist daher, dass wir Bayern unserem Wilfried weitere Argumente liefern und seine Forderung auf diese Weise unterstützen. Ein Beitrag.

Von Sebastian Binder  

Na, endlich. Endlich ist da mal einer, der mir als Bayer aus der Seele spricht. Der klar und präzise das formuliert, was wir Südländer doch schon lange insgeheim denken und was wir nur zähneknirschend herunterschlucken, wenn wir uns mit einem von diesen artfremden Nordländern unterhalten müssen. Lieber Wilfried Scharnagel, ich danke Dir, denn mit Deinem Buch bringst Du es einfach auf den Punkt: „Bayern kann es auch allein!“ So ist es, so und ned anders, wia ma bai uns in Bayern sogt. Ich war so glücklich, dass ich mir sofort meine Lederhosen angezogen und meinen Laptop aufgeklappt habe, um diese Zeilen in patriotischer Kluft in jenem hochmodernen Medium namens Internet zu publizieren. Auch Du, lieber Wilfried, wirst schon von dieser Erfindung gehört haben, denn uns Bayern charakterisieren vor allem diese zwei Attribute: Heimatverbunden und fortschrittsliebend.

Aber zurück zu Deinem Buch: Du hast so recht, wenn Du schreibst, dass der schlimmste Tag für unseren schönen Freistaat der 21. Januar 1871 gewesen ist. Dieser traumatische Tag, an dem die bayerische Abgeordnetenkammer dafür votierte, dem Deutschen Reich beizutreten. Der bayerische Kine muss sich dem preußischen Kaiser unterwerfen, was für ein Schock. Gut, das ist schon eine Weile her, doch noch heute wache ich des Nachts manchmal schweißgebadet auf und hoffe, dass das alles nur ein furchtbarer Alptraum war.

Du warst mir schon immer sympathisch, lieber Wilfried, nicht zuletzt in Deiner Funktion als Chefredakteur des nur minimal konservativen Bayernkurier. Hier hast Du bereits viel Sinnvolles geschrieben und vor allem Deine Verehrung für das bayerische Vorbild Nummer eins „Franz Josef Strauß“ wird mir stets in wohltuender Erinnerung bleiben. Aber mit Deinem neuen Buch übertriffst Du all Dein bisheriges Schaffen noch einmal um Längen. Du hast völlig recht, in Bayern muss die Unabhängigkeitsbewegung endlich stärker, mutiger, entschlossener werden. Denn sagen wir doch einmal klipp und klar, wie es ist: Bayern ist das Herz, das Hirn und die Seele Deutschlands. Die restlichen Bundesländer dieses Landes sind nur Anhängsel, nein, Geschwüre am bayerischen Körper, die ausschließlich eines wollen: Unser Geld. Wir Bayern schuften und schuften und die anderen Bundesländer liegen auf der faulen Haut und halten nur schön die Hand auf, um sich aus unseren bayerischen Goldtöpfen zu bedienen. Der Länderfinanzausgleich wurde einzig und allein geschaffen, um dem Freistaat zu schaden. Ja, ja, mancher Nörgler könnte jetzt einwenden, dass Bayern bis in die 1980er Jahre selbst vom Länderfinanzausgleich profitiert hat, aber das ist eine (in Bayern) unzulässige Behauptung und es liegt bereits so weit in der Vergangenheit, dass es überhaupt keine Relevanz mehr für die heutige Lage hat.

Das Schlimme an der ganzen Geschichte ist dabei, dass die anderen Bundesländer die bayerische Großartigkeit nicht zu würdigen wissen. Im Gegenteil, sie machen sich sogar über uns lustig, betrachten uns als Bauern, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als jodelnd auf ihre Berge zu klettern und abends zum Fensterln gehen. Doch zum Glück gibt es noch Intellektuelle wie Dich, Wilfried, die zeigen, dass wir Bayern richtig kreative Denker sind, ohne dass wir uns dabei ständig in der Öffentlichkeit blamieren. Wir Bayern haben unseren eigenen Kopf, Eigenständigkeit ist unsere Maxime und was für unser Denken schon lange gilt, muss endlich auch für unsere Grenzen gelten. „Wer hätte vor 25 Jahren gedacht, dass Estland, Lettland oder Litauen irgendwann einmal unabhängig sein würden?“, wirst Du in den Medien zitiert. Genau, Estland, Lettland, Litauen, Bayern. Was für eine schöne Reihe. Wer nun aber einwendet, dass dieser Vergleich doch hinkt, dass man Deutschland doch nicht mit der Sowjetunion auf eine Stufe stellen könne, der hat einfach nicht begriffen, wie sehr wir Bayern unter dem zentralistischen Berliner Joch leiden.

Um die bayerische Großartigkeit besser zu verstehen:

Man stelle sich vor, wie schön es wäre, wenn wir Bayern endlich wieder ganz unter uns wären. Auf der Wiesn gäbe es nur noch Leute, die das bayerische Bier auch vertragen. Niemand würde mehr nach zwölf eine Weißwurscht essen. Beim Bäcker würden endlich wieder ausschließlich „Brezn und Semmeln“ und nicht „Pretzeln und Brötchen“ bestellt werden. Der FC Bayern müsste sich nicht mehr mit diesen nervigen Klubs aus dem Kohlerevier herumärgern und Sechzig würde endlich wieder in der Ersten Liga spielen. Niemand würde uns mehr komisch anschauen, wenn wir auf der Straße spontan das Bedürfnis hätten, einen zünftigen Schuhplattler hinzulegen. Und vor allem: Keine ostpreußische Kanzlerin würde uns sagen, wie viele Milliarden Euro wir jetzt wieder in diese Krisenländer überweisen müssen, die doch so gar nichts mit unserem traumhaften, erfolgreichen Bayern zu tun haben.

Je länger ich darüber nachdenke, umso klarer werden mir Deine Forderungen, Wilfried. Ich muss Dich aber leider auch ein wenig kritisieren, denn eigentlich gehst Du mir mit Deinen Ansätzen nicht weit genug. Denn wenn wir die verdiente Unabhängigkeit endlich erreicht haben, dann gilt es auch, diese zu bewahren. Wir sollten daher umgehend eine Mauer um Bayern ziehen, wir nennen sie den „Antipreußischen Schutzwall“. Anschließend proklamieren wir König Horst I. zum unumstrittenen Herrscher, legen den Regierungssitz nach Neuschwanstein, zu dem nicht-bayerische Touristen selbstverständlich keinen Zutritt mehr haben, und leben glücklich bis ans Ende aller weiß-blauen Tage.

Obwohl, irgendetwas stört mich an diesem Szenario. Natürlich, mir als Oberbayer ist das etwas zu global gedacht. Denn eigentlich brauche ich auch die Franken, Schwaben, Oberpfälzer und Niederbayern nicht, die wir hier notgedrungen tolerieren müssen. Ich schlage daher vor, dass Du noch ein Buch schreibst, lieber Wilfried. Titel: „Oberbayern kann es auch allein!“. Wenn Du dabei Hilfe brauchst, dann sag‘ mir Bescheid, mir fallen sicherlich einige logische, sinnvolle und durchdachte Argumente für diese Forderung ein. Denn Du und ich, Wilfried, das passt einfach, wia sogt ma so schee bai uns: „Mia san mia.“ So isses und ned anders…

Foto: Die Bavaria als Symbol für die bayerische Freiheit

Copyright: Jonny8 zur Verfügung gestellt auf Wikimedia (CC-Lizenz)

 

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5 thoughts on “Mit Dir allein, Du Land der Bayern

  1. Haben Sie das Buch tatsächlich gelesen? Sie gehen in keinster Weise auf das Thema ein. Eigentlich 2-3 Themen. Was ist Solidarität und warum ist Bayern den deutschen Ländern zur Solidarität ‘verpflichtet’. Spricht tatsächlich etwas gegen ein wieder selbständiges Bayern? Könnte Bayern nicht auch als unabhängiges Land nach wie vor solidarisch sein?
    Holland schafft es unabhängig, Österreich schafft es, die Schweiz schafft es, aber Bayern darf es nie und nimmer mehr schaffen WIEDER unabhängig zu sein, denn wir MÜSSEN solidarisch sein. Es darf nicht sein, dass eine bayrische Staatsregierung auch tatsächlich direkte Politik für das ‘eigene’ Volk machen kann.
    Nein der Bund ist schon toll, und der Bund kann alles besser. Ein freies Bayern in einem Europe der Regionen … uuuuundenkbar. Außer man denkt tatsächlich nach …

    • Mal ganz abgesehen davon, dass dieser Text keine Buchbesprechung ist: Was ist das Thema des Buches Ihrer Meinung nach? Geld allein dem Land der Bayern? Was wir erwirtschaften, gehört uns und niemand sonst? Ja, das klingt ebenso gesund wie sinnvoll, es ist ja nicht so, als hätte der ehemalige Agrarstaat Bayern dem Bund irgendetwas zu verdanken. Was spricht also gegen ein unabhängiges Bayern? Eigentlich gar nichts, außer vielleicht dies: Ich bin stolz darauf, aus Bayern zu kommen. Aber zuerst bin ich Europäer und Deutscher und glaube, dass wir unsere Probleme mit einer gemeinsamen Politik lösen sollten, anstatt uns noch mehr voneinander abzuschotten, wie es Herr Scharnagl vorschlägt. Aber als Demokrat sage ich auch das: Es ist selbstverständlich Ihr gutes Recht, das anders zu sehen…

  2. Ich gehe vom Speziellen zum Allgemeinen. D.h. ich sehe mich zuerst als Bayer (mit y) und dann als Europäer (aber ich sehe mich auch – und voller Überzeugung – als Europäer). Als Deutscher sehe ich mich zu 0%.
    So passt das auch mit meinem Wunsch auf ein selbständiges und unabhängiges Bayern in einem demokratischen und subsidiaren Europa der Regionen zusammen. Ein Europa, in dem die gemachten Nationalstaaten (in unserem Fall von Preussen) obsolet werden, und die Stimme des Einzelnen so viel Gewicht hat wie irgend möglich (was m.E. eben nur in einem subsidiaren System – nehmen Sie die Schweiz als Vorbild – funktioniert). Schottet sich Österreich von uns ab? Eigenständige Politik in einem zusammengewachsenen Europa hat nichts mit Abschottung zu tun. Wenn ich mich recht erinnere hat Österreich auch keine Selbstschussanlagen und Schlagbäume installiert. Niemand würde Österreich vorwerfen sich abzuschotten.
    Dass Bayern ein ehemaliger Agrarstaat war (was so eigenlich nicht ganz korrekt ist), hat auch – und insbesondere – damit zu tun, dass das Reich zentralistisch war. Bedenken Sie bitte welche Errungenschaften hier in Bayern Ihren Anfang nahmen oder zumindest im dt. sprachigen Raum zu erst vorhanden waren (die Eisenbahn in Bayern ist hier nur ein Beispiel; genau wie die erste Stromtrasse und die erste Briefmarke). Wer in der Wirtschaft im Reich wollte, dass etwas von ihm gehalten wurden, musst sich – fast zwingend – in Berlin und Umgebung niederlassen. Das hat Bayern viel gekostet. Schauen sie sich all die vielen Firmen an, die früher in und um Berlin gewirtschaftet haben. Wo kamen deren Gründer/Inhaber her? Werner von Siemens kam aus Niedersachsen. Die Allianz z.B. wurde in München gegründet und nahm 1 Jahr später in Berlin den Geschäftsbetrieb auf.
    Aber entschuldigen sie, ich schweife ab …
    Sie schreiben Sie sind Stolz darauf aus Bayern zu kommen. Das ist schön. Das bin ich auch. Ich bin aber auch Stolz darauf, dass es in Bayern möglich ist, dass sich zwei Demokraten – mit vermutlich weitgehend unterschiedlichen Ansichten – vernünftig unterhalten. Das ist auch schön.

    “… dem Bund irgendetwas zu verdanken”. Nun ich bin der festen Überzeugung, dass der Bund (oder auch vorher das Reich) Bayern mehr weggenommen hat, als Bayern gegeben wurde (nicht nur finanziell). Ich bin erstens der Meinung, dass Bayern das auch ‘alleine’ geschafft hätte.

    • Nun gut, in diesem Punkt werden wir uns wohl nicht mehr einig: Ich finde es wichtig, dass sich Bayern als Teil Deutschlands versteht und ich hoffe, dass das so bleibt, allen vermeintlichen kulturellen und finanziellen Unterschieden zum Trotz. Ich gebe Ihnen aber insofern Recht, als dass der Länderfinanzausgleich reformbedürftig ist, da es hier, insbesondere in den letzten Jahren, zu einem seltsamen Ungleichgewicht gekommen ist. Wenn ich nun ein Wirtschaftsexperte wäre, würde ich hier schreiben, wie eine derartige Reform aussehen müsste, aber das kann ich leider nicht. Zu etwas anderem: Es freut mich als Blog-Anfänger sehr zu sehen, wenn sich Leute – sehr gerne auch kritisch – mit meinen Texten auseinandersetzen, denn aus diesem Grund schreibe ich sie. Wenn sich Leute wie Sie dann auch noch die Mühe machen, sich argumentativ mit dem Thema zu befassen und wertvolle Zeit in das Schreiben von Kommentaren investieren, dann stimmt mich das mehr als zufrieden. Dafür gebührt Ihnen mein herzlicher Dank!

  3. Entschuldigen Sie bitte meinen – so scheints – konfusen Schreibstil.

    Der letzte Absatz ““… dem Bund irgendetwas zu verdanken. …” gehört eigentlich weiter oben in den Text, vor “Dass Bayern ein ehemaliger Agrarstaat war “.

    Schließen wollte ich mit “dass sich zwei Demokraten – mit vermutlich weitgehend unterschiedlichen Ansichten – vernünftig unterhalten. Das ist auch schön.”, weil das tatsächlich schön ist.

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