Ausgezaubert!

Felix Magath ist nicht länger Trainer des VfL Wolfsburg. Angeblich wurde das Arbeitsverhältnis auf Magaths eigenen Wunsch beendet, aber seine Tage bei den Wölfen waren ohnehin gezählt. Die bisherige Bundesliga-Saison verläuft für den Meister von 2009 bislang katastrophal. Schuld daran trägt nicht zuletzt Magath selbst. Vor allem seine seltsame Spieler-kaufen-verkaufen-Handlungsweise, aber auch seine Trainingsmethoden lösten zuletzt eigentlich nur noch eines aus: Kopfschütteln. Die Trennung war daher nur logisch.

Von Sebastian Binder  

Der Spitzname „Magier“ ist im Sport nicht ungewöhnlich. Er charakterisiert einen Spieler oder Trainer normalerweise dahingehend, dass derjenige außergewöhnliche, übermenschlich anmutende Fähigkeiten hat, nicht für mögliche gehaltene Dinge vollbringt und das Publikum verzaubert. Auch Felix Magath trug diesen Spitznamen einst, doch diese Zeiten scheinen lange her zu sein. Der Zauber des einstigen Erfolgstrainers war in den letzten anderthalb Jahren beim VfL Wolfsburg spürbar verflogen, seine Tricks versetzen weder Spieler, noch Fans und schon gar nicht den VW-Vorstand in Ekstase. Von daher war die Meldung, dass der 59-Jährige nicht mehr Trainer bei den „Wölfen“ ist, anders als ein guter Zaubertrick, wenig überraschend. Zwar legt der Konzernvorstand wert darauf, dass Magath von sich aus hingeschmissen hat, aber hätte er das nicht getan, wäre er mit allergrößter Wahrscheinlichkeit gefeuert worden. Zu desaströs ist die Bilanz der Wolfsburger in der laufenden Bundesliga-Saison: Acht Spiele, fünf Punkte, zwei Tore ergeben den letzten Tabellenplatz. Aus dem selbsternannten Europacup-Anwärter, der sogar realitätsfremd Richtung Champions League schielte, ist nach Saisonbeginn ein Abstiegskandidat geworden. Die Mannschaft agiert ideenlos bis apathisch, die Spieler irrlichtern ohne Plan über den Platz, die Abwehr ist wacklig, der Sturm eine Katastrophe. Das alles ließ sich bestens bei der desaströsen 0:2-Heimniederlage gegen den SC Freiburg beobachten. Der Verantwortliche für das fatale Erscheinungsbild des Teams ist dabei Magath selbst.

Magath hatte einst den Ruf, der beste Trainer der Bundesliga zu sein. Seine Methoden waren hart, aber erfolgreich. Mit dem VfB Stuttgart wurde er Vizemeister und führte die Schwaben in die Champions League. Mit dem FC Bayern errang er zweimal das Double. Seinen größten Coup landete er aber in Wolfsburg. 2009 holte der VfL sensationell die Meisterschaft, beim 5:1 gegen den FC Bayern, als die Münchner förmlich in ihre Einzelteile zerlegt wurden, zeigten die Wolfsburger wohl das beste Spiel ihrer Vereinsgeschichte. Danach ging Magath nach Schalke, um dort den Meistercoup zu wiederholen und sich endgültig unsterblich zu machen. Doch die Mission misslang, zwar wurden die „Knappen“ 2010 Zweiter, doch der „Mythos Magath“ bekam erste Risse. Dies äußerte sich darin, dass Magath in Gelsenkirchen Spieler kaufte und verkaufte als würde er eine Bundesliga-Manager-Simulation spielen, was er tatsächlich tat, nur eben mit echtem Geld und echten Menschen. Als dann auch der sportliche Erfolg ausblieb, wurde es S04-Boss Clemens Tönnies zu bunt und er feuerte Magath im März 2011. Quasi über Nacht heuerte dieser dann wieder in Wolfsburg an und wurde vom Konzernvorstand mit umfassenden Vollmachten ausgestattet. Fortan war Magath Trainer, Manager und Geschäftsführer in Personalunion, kein anderer Bundesligacoach hatte eine derart exponierte Stellung. Und mit dem Geld von VW zelebrierte Magath das Spieler-wechsel-dich-Spielchen auf einer neuen Ebene, die irgendwann groteske Züge annahm. Wer aus dem Kopf alle 83 Ab- und Zugänge der zweiten Ära Magath in Wolfsburg aufzählen kann, sollte sich wohl bei „Wetten dass…“ bewerben. Selbst die eingefleischtesten Wölfe-Fans hatten irgendwann den Überblick verloren, wer nun eigentlich im Kader ihrer Mannschaft stand.

Magath konnte dieses absurde Schauspiel nur vorführen, weil ihm Volkswagen alle Freiheiten gab und ihn faktisch niemand kontrollierte. Natürlich, die zweistelligen Millionenbeträge, die Magath verpulverte, sind für den größten Konzern Europas Peanuts, die dieser aus der Kaffeekasse zahlt. Das ändert aber nichts daran, dass auch der VW-Vorstand irgendwann Erträge für das investierte Geld sehen will. Hinzu kommt, dass sich bei dieser enormen Fluktuation an Spielern kaum eine Mannschaft mit eingespieltem System und funktionierenden Hierarchien herausbilden kann. Magath kaufte einfach Spieler, setzte sie dreimal ein, wenn es nicht klappte, wurden sie weitergeschickt. Der Nächste bitte. Dass man auf diese Weise keine erfolgreiche Mannschaft kreiert, wurde wohl auch dem Aufsichtsrat irgendwann klar.

Hinzu kam, dass die Methoden Magaths immer umstrittener wurden. Wegen seines harten Trainings wurde der gebürtige Aschaffenburger „Quälix“ genannt. Früher sagte man das ehrfürchtig, denn Magath-Mannschaften zeichneten sich durch ihre hohe Fitness aus. Doch heute rufen die Aktionen des Trainers eher Kopfschütteln hervor, was vor allem für jene Geschichte galt, als Magath seinen Spielern während eines Waldlaufs die Wasserflaschen wegnahm. Dieses autoritäre, fast schon diktatorisch anmutende Gehabe zerstörte allem Anschein nach den Rückhalt Magaths im Team. Ein weiterer Grund, warum VW die Reißleine ziehen musste. Die Schlagzeilen, die rund um die Fußball-Mannschaft produziert wurden, waren in letzter Zeit schlichtweg zu negativ und drohten sogar, auf die strahlende Marke VW einen Schatten zu werfen. Man wird das Gefühl nicht los, dass eben genau das die rote Linie gewesen ist, die nicht überschritten werden durfte und daher zum „Rauswurf“ führte.

Felix Magath ist beim VfL Wolfsburg gescheitert. Ganz einfach. Der strahlende Meistermacher von einst hat sich dies vor allem selbst zuzuschreiben. Es wird interessant zu sehen sein, wo es Magath als nächstes hinverschlägt. An Angeboten wird es nicht mangeln. Nicht aus dem Ausland, aber auch nicht aus der Bundesliga. Die Frage aber ist, ob unter den Anfragenden nochmal ein Spitzenklub sein wird. Das „System Magath“, das nach eigener Aussage nämlich „immer funktioniert“, ist im Jahr 2012 überholt. Ob sich daher ein Topklub ausgerechnet diesem System ausliefern will, darf somit bezweifelt werden. Aber wer weiß, vielleicht hat der „Magier“ Magath ja doch noch etwas in seiner Trickkiste. Auch wenn sein Zauber vorerst gebrochen erscheint.

Foto: Felix Magath

Copyright: Franconia zur Verfügung gestellt auf Wikimedia (CC-Lizenz)

 

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