Drei aus drei

Borussia Dortmund, Schalke 04 und Bayern München haben bereits vor dem letzten Gruppenspieltag das Achtelfinale der Champions League erreicht. Vor allem der BVB ragt aus diesem Trio heraus. Kaum einer hätte dem deutschen Meister zugetraut, sich in dieser schweren Gruppe derart souverän durchzusetzen. Doch die Truppe von Jürgen Klopp belehrte alle Zweifler eines besseren. Die deutschen Fußballfans dürfen sich nun auf eine heiße K.O.-Runde freuen. Und was spricht eigentlich gegen ein deutsch-deutsches Finale?

Von Sebastian Binder  

Welcher Fußball-Experte hätte ernsthaft damit gerechnet? Wie hoch waren wohl die Quoten bei den Wettanbietern für dieses Szenario nach der Auslosung? Und was sagt dies nun über den deutschen Fußball tatsächlich aus? Verwundert reibt sich der Fußball-Liebhaber dieser Tage die Augen, wenn er sich die Tabellen der einzelnen Champions-League-Gruppen ansieht. Kann das wirklich wahr sein? Ja, dieses kaum für möglich gehaltene Ereignis ist tatsächlich eingetreten: Bayern München, Schalke 04 und Borussia Dortmund sind für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert. Und das bereits nach dem vorletzten Gruppenspieltag. Ob dieser Konstellation kann sich so mancher deutsche Fußball-Fan ein Lächeln sicher nicht verkneifen. Wann stand der deutsche Fußball international derart strahlend da? Zuletzt vielleicht im Jahr 2001, als die Bayern in der europäischen Königsklasse triumphierten. Seitdem ist viel über die Rolle der deutschen Vereinsmannschaften auf internationaler Bühne diskutiert worden, das Echo der Fußball-Experten war dabei stets dasselbe: Außer den Münchnern ist keine deutsche Mannschaft in der höchsten europäischen Spielklasse konkurrenzfähig, von ein paar Überraschungscoups wie Bayer Leverkusen 2002 (Finale) oder Schalke 2011 (Halbfinale) einmal abgesehen. Sollte diese, rückblickend betrachtet nicht unberechtigte, Einschätzung in dieser Saison endlich widerlegt werden? So manches spricht dafür.

Diese These hängt vor allem mit einer Mannschaft zusammen: Borussia Dortmund. Nicht wenige Leute dürften bei der Verkündung der Champions-League-Gruppen erst einmal kräftig geschluckt haben. Der deutsche Meister wurde in eine Gruppe mit Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam gelost. Hielt man sich die desaströse Vorsaison der Dortmunder in der Königsklasse vor Augen, als der BVB ebenfalls als deutscher Titelträger in einer deutlich leichteren Gruppe als Letzter sang- und klanglos ausschied, musste mit dem schlimmsten gerechnet werden. Wie sollte nun eine Gruppenphase überlebt werden, in der man auf den spanischen, den englischen und den niederländischen Meister trifft? Die Truppe von Jürgen Klopp gab die ebenso einfache wie passende Antwort auf diese Frage: Mit perfektem Fußball. Die Dortmunder waren eigentlich in jedem einzelnen Champions-League-Spiel die bessere Mannschaft, sogar in Madrid, erst recht in Manchester und in Amsterdam führten sie Ajax beim 4:1-Auswärtserfolg phasenweise vor. Am Ende der Gruppenphase steht der BVB damit als Tabellenführer fest, vor dem Starensemble aus Madrid und meilenweit vor dem mit Scheich-Millionen gefütterten englischen Champion aus Manchester.

Die Gruppe von Schalke 04 war zwar, was die Namen der Teams betrifft, deutlich einfacher einzuschätzen als die des Erzrivalen aus dem Revier, dennoch schmälert das keineswegs den starken und vor allem souveränen Auftritt, den die Königsblauen in dieser Saison hinlegten. Drei Siege und zwei Unentschieden über die Teams von Arsenal London, Montpellier HSC und Olympiakos Piräus werden nicht im Vorbeigehen eingefahren und nicht zuletzt der äußerst überzeugende 2:0-Sieg der Schalker in London ließ die internationale Fußballwelt aufhorchen. Die Mannschaft von Huub Stevens machte in den kompletten Partien einen abgeklärten Eindruck, auch wenn das Rauschhafte, das die Dortmunder zelebrierten, etwas fehlte. Was soll‘s, die Ergebnisse stimmen und die Fans aus Gelsenkirchen dürfen sich auf mindestens ein weiteres Fußballfest in ihrer Arena freuen.

Bleibt noch der deutsche Stammgast in der Champions League, die einzige Mannschaft, die seit Jahrzehnten auf internationalem Topniveau spielt und die in den letzten drei Jahren den Griff nach dem begehrten Henkelpokal zweimal knapp verpasste. Ein wenig gemischte Gefühle hat man schon, wenn man die diesjährige Champions-League-Saison des FC Bayern München betrachtet. Zwar wurde das Achtelfinale erreicht, doch das durfte man vom Finalisten des Vorjahres schlicht und ergreifend auch erwarten. Zu 100 Prozent überzeugt haben die Münchner in dieser Gruppe mit dem FC Valencia, dem OSC Lille und Bate Borissow allerdings nur selten. Dem souveränen 2:0-Heimsieg über Valencia und der brillanten 6:1-Klatsche gegen Lille zuhause stehen durchwachsene Auftritte wie die überraschende Niederlage in Borissow, der schwer erkämpfte Sieg in Lille und das nur mäßig überzeugende Unentschieden in Valencia gegenüber. An die aus der Bundesliga bekannte spielerische Klasse konnte der Rekordmeister, mit Ausnahme des Lille-Spiels, in der Champions League nicht wirklich anknüpfen. Dennoch soll das nicht heißen, dass die Bayern bislang eine schlechte Saison in der Königsklasse spielen. Mit einem zu erwartenden Heimerfolg gegen Borissow kann der Gruppensieg eingetütet werden und wenn die Bayern im Achtelfinale dann so auftreten wie sie es größtenteils in der Bundesliga machen, dann dürfte es für jeden Gegner schwer werden, das Team von Jupp Heynckes zu schlagen. Eines wird den Bayern allerdings nicht passen: Sie standen in dieser Gruppenphase aus deutscher Sicht ganz klar im Schatten von Borussia Dortmund. Das kann ihnen nicht gefallen, denn diesen Zustand kennen sie bereits aus den letzten beiden Bundesligaspielzeiten.

Doch egal, welchem Verein man sich nun zugehörig fühlt, eines steht fest: Die deutschen Fußballfans dürfen sich im nächsten Jahr auf weitere heiße Champions-League-Kracher freuen. Und wer weiß, ab dem Viertelfinale ist es nämlich möglich, dass auch deutsche Mannschaften aufeinander treffen. Wie wäre es dann zum Beispiel mit einem Halbfinale zwischen Dortmund und Schalke? Oder einem Endspiel zwischen Bayern und Borussen? So mancher deutsche Fußballanhänger wäre diesen Konstellationen sicherlich nicht abgeneigt. Doch möglicherweise haben der FC Barcelona, Manchester United, Paris St. Germain und Real Madrid in diesem Szenario auch noch ein Wörtchen mitzureden. Aber man wird als deutscher Fußball-Fan noch träumen dürfen, oder? Momentan ist jedenfalls der perfekte Zeitpunkt dafür, denn mit dem deutschen Fußball ist in dieser Saison zu rechnen. Das haben auch die Mannschaften aus den anderen Ligen bereits erfahren…

Foto: BVB-Trainer Jürgen Klopp hat gut Lachen

Copyright: Christopher Neundorf (cropped by Sir James) zur Verfügung gestellt auf Wikimedia (CC-Lizenz)

 

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