Ich wollte immer Bachelor sein!

Man stelle sich vor: Eine malerische Villa an der Küste Südafrikas und 20 Frauen, die nicht davonlaufen dürfen. Wie schwer kann es da sein, die einzig wahre Liebe zu finden? RTL erfüllt mit seiner Klassesendung “Der Bachelor” den Traum aller Männer. Denn egal, wie langweilig, schleimig und oberflächlich Du auch sein magst, diese Frauen sind verpflichtet, Dich anzubalzen. Also, ich finde dieses Konzept jedenfalls großartig. Wo sind die Rosen?

Von Sebastian Binder  

Okay, okay, ich gebe es ja zu: Eigentlich wollte ich der Bachelor 2013 werden. Ich war seit jeher ein großer Fan dieser Sendung, einer weiteren Sternstunde der Fernsehgeschichte, die sowohl tiefgründig, als auch ehrlich, als auch romantisch, als auch… naja, jede Menge anderes Zeug noch ist. Außerdem mag ich Rosen. Und Frauen. Vor allem solche, die nicht weglaufen können beziehungsweise qua Vertrag nicht weglaufen dürfen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist RTLs Supershow “Der Bachelor” einfach nur brillant. Daher habe ich auch meine Bewerbung dorthin geschickt. Ich habe sie nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt, denn dies ist für mich eine Frage von Moral und Ethik, zwei Attribute, die meiner Meinung nach nicht hoch genug gehängt werden können. So habe ich aus diesem Grund meine Vorzüge keineswegs verschleiert: Oben rum Einstein, unten rum Godzilla, den Kontostand von Bill Gates, in der Ausstrahlung eine Mischung aus Brad Pitt und George Clooney, eloquent wie Richard David Precht, einfühlsam wie Mutter Theresa und das Selbstbewusstsein von Silvio Berlusconi. Wenn das nicht die perfekte Offerte für den Bachelor ist, dann weiß ich auch nicht, dachte ich. Doch dann der Schock: RTL entschied sich für einen Anderen, schlimmer noch, sie luden mich nicht einmal zum Casting ein. Was für eine Demütigung, wie konnte das nur passieren?

Und so saß ich allein vor dem Fernseher anstatt in der Mega-Traumvilla in Kapstadt und sah zu, wie zwanzig Frauen einen Balztanz um den neuen Bachelor aufführten, der eigentlich ich hätte sein sollen. Wer ist dieser Typ? Und was hat er nur, was ich nicht habe? Sein Name ist Jan und er ist 36 Jahre alt. Na gut, ich habe kein so glitzerndes Fünfmal-gebleacht-Zahnpasta-Grinsen und mir fehlt zudem dieser Treues-Hündchen-verlass-mich-nicht-Blick. Ich wohne außerdem nicht in einem halbverfallenen Forsthaus und bin des Weiteren kein sonderlich guter Holzhacker. Aber sonst? Ich würde mich auch gerne von Kameras überallhin begleiten lassen, um dann tiefschürfende Sätze loszuwerden wie: „Liebe ist wie der Wind. Man muss nur die Richtung erkennen, aus der sie pfeift, und sich dann mit Engelsflügeln auf sie stürzen, um von ihr davon getragen zu werden. Immer weiter, in die himmlischsten Höhen des irdischen Glücks.“ Seht ihr, RTL, gar kein Problem, das hätte ich ohne Schwierigkeiten hinbekommen.

Aber weiter im Text: Nach dem üblichen Wer-und-warum-ist-dieser-Bachelor-Geseiere kommen dann endlich die Frauen ins Spiel. Aha, aha, denken da die männlichen Hirnsynapsen, da würde ich doch auch gerne mal… Aber nein, stopp, denn darum geht es in dieser Sendung nicht. Ganz und gar nicht. Es geht darum „die echte Liebe zu finden“, wie der Sprecher aus dem Off nicht müde wird zu betonen. Es ist daher reiner Zufall, dass alle Frauen ganz nett anzusehen sind, denn Liebe, wie sie in dieser Show definiert wird, hat nichts mit oberflächlichen Äußerlichkeiten zu tun. Das wusste ich selbstverständlich bereits vorher. Auch die Frauen sind schließlich einzig und allein auf der Suche nach der wahren Liebe und nicht nach ein wenig medialer Aufmerksamkeit, um später vielleicht mal eine Call-In-Show bei Sport1 moderieren zu dürfen. Also, ich finde das gut und dieses ganze Gejammere, dass mit derartigen Formaten die Emanzipation ad absurdum geführt wird, kann ich absolut nicht nachvollziehen. Schließlich machen die Frauen ja freiwillig bei dieser Nummer mit, oder? Und bedeutet letztendlich nicht genau das „Emanzipation“? Hm, vielleicht sollte ich nochmal bei Alice Schwarzer nachfragen, um wirklich sicher zu gehen.

Wie dem auch sei, zu meinen Lieblingsszenen gehört es stets, wenn die Frauen den Bachelor das erste Mal treffen. Die malerische Küste von Südafrika, im Hintergrund leuchtet das Traumhaus und nach und nach werden die weiblichen Protagonistinnen zur Begutachtung herangekarrt. Jede hat dabei 20 bis 25 Sekunden Zeit, um einen ersten bleibenden Eindruck beim Bachelor zu hinterlassen und dessen Schmetterlinge im Bauch ordentlich auf Touren zu bringen. Für einen Smalltalk-Gott wie mich wäre das das perfekte Szenario, denn ich habe die Sprüche wirklich alle drauf: „Wie geht‘s Dir?“, „Was machst Du?“, „Bist Du nervös?“, „Ach, das ist ja interessant!“, „Schön, dass Du hier bist.“, „Willkommen, willkommen!“ bis zu „Wow, das ist ja ein durchsichti… äh, tolles Kleid.“. Gar kein Ding, diese Art von Sprüchen könnte ich stundenlang vor mich hinsemmeln, ohne mir irgendwie blöd dabei vorzukommen.

Und dann kommt es endlich zum Höhepunkt. Also, im übertragenen Sinne. Die große Party, bei der 20 Frauen versuchen, einen Mann zu bekommen. Irgendwie ganz anders, als man es sonst in einem durchschnittlichen Club erlebt. Egal, der Schampus wird geköpft, die Musik angeschmissen und dann werden erst einmal die Hüften geschwungen. Denn wie kann man eine Frau mehr kennen und schätzen lernen, als wenn sie im kurzen Röckchen mit dem Podex wackelt? Mir fällt gerade nichts Besseres ein, aber Bachelor Jan nutzt die Weitläufigkeit der Partyarea, um sich mit allen Frauen einzeln zurückzuziehen, um ihnen dann vom RTL-Praktikanten vorbereitete Fragen zu stellen. Das nennt man Kennenlernen auf höchstem Niveau. Gut, vielleicht hat Jan mir diesen ultrasympathischen Charakterzug ebenfalls voraus.

„Ehret die Frauen, sie flechten und weben himmlische Rosen ins irdische Leben“, schrieb einst Friedrich Schiller. Wüsste man es nicht besser, so könnte man denken, dass der deutsche Großdichter beim Verfassen dieser Zeile die Sendung „Der Bachelor“ im Hinterkopf hatte. Denn auch in RTLs Beitrag zur Frauenquote geht es um die „Ehre der Frauen“, die in Gestalt einer „himmlischen Rose“ manifestiert wird. Ich sehe das so: Was könnte für Frauen ehrenvoller sein, als wenn ihnen ein seltsamer Typ mit einer Rose zu verstehen gibt: „Du, ja.“, „Du, nein.“. Ich kann in dieser Konstellation jedenfalls nichts Herabwürdigendes erkennen, im Gegenteil, ich denke, dass Frauen doch genau das wollen: Einen Mann, der klare Ansagen macht, aber diese eben trotzdem durch die Blume aussprechen kann. Ist es nicht so?

Also, liebe RTL-Redaktion, ich hoffe, ihr habt nun endlich begriffen, dass ich der perfekte Kandidat für die 2014er-Ausgabe von „Der Bachelor“ bin. Ich werde bis dahin auch noch meine Zähne bleichen lassen und das Holzhacken üben, damit ich genauso adrett und energiegeladen rüberkomme wie Jan in der momentanen Staffel. Zudem werde ich noch an meinem melancholisch-einfühlsam-verständnisvollem Blick arbeiten und mir jede einzelne Sekunde dieser Staffel ganz genau ansehen, damit ich die hohen, anspruchsvollen Erwartungen, die RTL in dieses Format setzt, auch wirklich erfüllen kann. Sollte, liebe RTLer, also Interesse an einem Engagement meinerseits bestehen, dann mailt mir doch einfach auf meine Adresse „publikumsbeleidigung@schlechtesfernsehen.de“. Ich warte solange mit einem frischen Strauß Rosen allein auf meiner Couch.

 

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