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Die Bestie, Geisel der Menschheit

Kennt ihr sie? Habt ihr ihren Atem schon mal gespürt? Wisst ihr, warum sie immer fressen will? Wer sie zu dem gemacht hat, was sie heute ist, schon immer war? Kennt ihr sie, die Bestie?

Von Sebastian Binder

Krieg – diese Geisel der Menschheit. Wie sie mal näher kommt und sich wieder entfernt, wir ihren Atem fast spüren, ehe er kaum noch zu hören ist, vielleicht weil wir ihn nicht hören wollen. Doch verschwunden, verschwunden war, ist sie niemals, diese Geisel… und der Pessimismus, der in Bezug auf die menschliche Existenz stets angebracht ist, behauptet, dass sie das auch niemals sein wird.

Die Bestie, sie wartet, lauert, immer, in der Dunkelheit, ehe sie dann ans Licht kommt, zu wüten und fressen beginnt, als gäbe es kein Morgen mehr, weil das kein Morgen ihr wahres Ziel ist.

Manchmal sind wir naiv und glauben, wir hätten sie besiegt. Oder wenigstens so weit in die Ecke gedrängt, dass sie uns keinen Schaden mehr zufügen kann. Nur um eines meist gar nicht fernen Tages festzustellen, dass dem nicht so ist, wir uns geirrt haben, nur weil wir uns damals irren wollten. Verschreckt sehen wir durch die digitalen Fenster in die weite Welt, in ihre hässlichen Abgründe, fürchten uns, verleugnen uns, empören uns.

Um nach der Gerechtigkeit zu suchen, die der Geisel Krieg niemals inne wohnt, inne gewohnt hat. Die Fangzähne der Bestie waren stets auf Vernichtung getrimmt, nach Gerechtigkeit hat sie niemals gefragt. Sie will nur gefüttert werden und fragt dabei nicht nach schuldig und unschuldig, nach Kämpfern, Frauen und Kindern, denn Blut schmeckt stets gleich, eintönig, vielfarbig, habt ihr das noch nicht gewusst?

Und Hunger hat sie schließlich immer, denn wir waren es, die sie über die Jahrtausende wieder und wieder gefüttert haben, wir und die anderen wurden ihr zum Fraß vorgeworfen, anstatt dass wir sie verhungern lassen hätten. Heute haben wir uns so sehr daran gewöhnt, dass es sie gibt, dass wir uns ein Leben, das Leben ohne die Geisel, die Bestie nicht mehr vorstellen können. Wer weiß es schon, vielleicht wären wir weniger glücklich, mehr verzweifelt, vielleicht wäre ein Leben, das Leben weniger lebenswert, wenn die Bestie am fernen Horizont nicht ihr Unwesen treiben würde, vielleicht zeigt uns erst sie, wie der Wert des Lebens, eines Lebens, aller Leben zu bemessen ist.

Wir sind es, die sie erschaffen haben, wir sind es, die die Bestie nicht mehr töten können, töten wollen, weil sie längst ein Teil von uns geworden ist, selbst wenn sich das keiner eingestehen will. Lasst sie nicht übermächtig werden, haben die Alten einst gesagt, denn wir haben gesehen, was sie anrichten kann, wenn man sie ungehindert wüten lässt, wenn man sie gar ermutigt, ungehindert zu wüten.

Doch damals haben wir nur gelächelt, wie über alle Geschichten der Alten, die schon in ihrer Jugend nichts bedeutet haben. Wir zahlen heute den Preis dafür, wie ihn die Alten damals gezahlt haben, wie ihn unsere Kindeskinder eines nicht allzu fernen Tages zahlen werden. Wir sagen, wir wollen Gerechtigkeit und Gleichheit und Tugend und Freiheit finden. Letztlich füttern wir nur die Bestie. Die Bestie, die immer hungrig ist. Und eines Tages, wenn sie uns alle verschlungen, vernichtet, ihr Wüten ein Ende gefunden hat, vielleicht wird sie dann auch Frieden finden, ihren Frieden, den wir nicht verdient hatten.